Vom Geheimnis der Süntelbuchen

Das Geheimnis der Süntelbuchen – Herbal Hunter auf Entdeckungstour„Steht man darunter, so ist der Blick in das Astwerk überaus interessant. Da wächst so ein Ast ein paar Meter lang zielbewusst nach Westen, dann fällt ihm ein, das könnte doch ein Irrtum sein, und er biegt rasch entschlossen im rechten Winkel um nach Süden. Und nach noch nicht einem halben Meter kommt ihm eine neue Laune, und wieder biegt er im rechten Winkel ab, vielleicht nach Osten zurück, – das alles in ungefähr horizontaler Lage – , und dann fällt ihm ein, dass Luft und Licht auch schöne Dinge sind, und er strebt nach oben, – womit er aber nicht weit kommt.“

Clementine Freifrau von Münchhausen 1911 in einem Bericht in den Mitteilungsblättern der Dt. Dendrologischen Gesellschaft

Die Süntelbuche – Ausnahmen bestätigen die Regel

Fagus sylvatica forma suntalensis oder Fagus sylvatica var tortuosa, die Süntelbuche ist eine äußerst seltene Variante der Rotbuche Fagus sylvatica. Die Süntelbuche wächst, so scheint es, wie ihr beliebt. Meist hat sie einen kurzen, gedrungenen und gedrehten Stamm, der schräg in die Höhe wächst. Die Äste wachsen knickartig wie im Zickzack und sind dabei teilweise schlangenartig miteinander verwunden und gedreht.

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Wie diese merkwürdigen Wuchseigenschaften zustande kommen, können sich die Wissenschaftler bis heute nicht gänzlich erklären. Man geht von einer Veränderung der Erbanlagen aus. Eine Mutation, die für den skurrilen Wuchsstil der Süntelbuchen sorgt. Steht man zwischen den Süntelbuchen und betrachtet sie genau, fragt man sich, wie sie es schaffen, nicht umzukippen und ihre „Statik“ überhaupt funktioniert.

Breit statt hoch

Im äußeren Kronenbreich hängen die Äste leicht herunter. Wie es sich für eine Süntelbuche gehört, gibt es allerdings Ausnahmen. Bei einigen Exemplaren hängen die Äste bis zum Boden und bilden mit ihrem dichten Laub eine Art Zelt. Aufgrund ihrer ungünstigen eher waagerechten Wuchsform ist das Auseinanderbrechen des Baumes begünstigt. Dennoch kann eine Süntelbuche 120 bis 160 Jahre alt werden. Süntelbuchen werden selten höher als 15 m und wachsen eher in die Breite als in die Höhe. Süntelbuchen-Nachwuchs zu ziehen ist eine recht schwierige Angelegenheit, bei der Geduld gefragt ist. Aus den Samen können auch „normale“ Rotbuchen entstehen. Ob der Baumnachwuchs eine Süntelbuche ist, lässt sich erst nach 5 bis 10 Jahren erkennen.

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Süntel ist eine Bezeichnung eines kleinen Höhenzuges nördlich von Hameln in Niedersachsen. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts stand hier der größte Süntelbuchenwald Europas. Da das Holz der Süntelbuchen nur einen geringen wirtschaftlichen Nutzen hat, wurden die Bäume gefällt. Kaum ein Meter Holz der Süntelbuche wächst gerade in eine Richtung. So bekam es auch den Namen Hexenholz oder Krausbaum. Heute kann man die Süntelbuchenallee in Bad Nenndorf  in Niedersachsen bei Hannover besuchen. Die Süntelbuchenallee wurde 1930 vom Gartenbaumeister Carl Thon angelegt und ist bis heute einzigartig in Europa. Wenn du einmal in der Nähe bist, lohnt sich ein Besuch im Kurpark Bad Nenndorf. Besonders im Abendlicht erscheinen die Süntelbuchen geheimnisvoll.

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„Dem Riesen fielen die Augen zu und taten sich nicht wieder auf. In sein vergehendes Herz war ein Bucheneckerlein gesunken. Diesem Sämlein gab der Riese seine ganze Kraft, die Wildheit seines Lebens, die Vollkommenheit seines Wuchses und seine herrliche Einsamkeit. Aus dem Sämlein wurde die Süntelbuche.“

aus einer Sage, Bernhard Flemer

Noch mehr botanisches und geschichtliches Wissen über die geheimnisvollen Süntelbuchen findest du hier.